
Wie Company Data zum Wettbewerbsvorsprung wird
Company Data und Verwaltungsschale stehen im Zentrum der digitalen Transformation der Industrie. Sie schaffen die Grundlage für interoperable Daten, vernetzte Wertschöpfung und technologische Souveränität in Europa. Vom Datensilo zum offenen Ökosystem entsteht so ein neues Fundament für Wettbewerbsfähigkeit und Innovation.
Next Level Mittelstand GmbH

Martin Schimmel
Director Business Development & Project Management
Zentrale Beobachtungen von NLM
Unternehmen generieren heute mehr Daten als je zuvor – aus Maschinen, Prozessen, Lieferketten und Kundeninteraktionen. Doch trotz dieser Fülle bleibt der eigentliche Wert der Company Data oft ungenutzt. Daten liegen in isolierten Systemen, proprietären Formaten und organisatorischen Silos. Was fehlt, ist die Fähigkeit, sie strukturiert, interoperabel und souverän nutzbar zu machen – innerhalb des Unternehmens und über dessen Grenzen hinaus.
Damit zeigt sich: Nicht der Mangel an Daten ist das Problem, sondern der Mangel an Nutzbarkeit. Wer Unternehmensdaten konsequent strukturiert, kontextualisiert und teilt, schafft die Grundlage für digitale Wertschöpfung, resiliente Lieferketten und datengetriebene Geschäftsmodelle.
Die Verwaltungsschale (Asset Administration Shell, AAS) spielt eine zentrale Rolle auf dem Weg zur datengetriebenen Industrie. Sie ist das standardisierte Datenmodell der Industrie 4.0, das physische und digitale Assets über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg beschreibt – von der Konstruktion über die Nutzung bis zur Wiederverwertung. Damit schafft sie eine gemeinsame Sprache für Maschinen, Systeme und Organisationen und bildet die semantische und technische Brücke zwischen Unternehmen, Technologien und Ökosystemen.
Aktuelle Analysen – etwa die McKinsey-Studie „ Securing Europe’s Future Beyond Energy “ – verdeutlichen, wie entscheidend diese Entwicklung ist. Europas Wettbewerbsfähigkeit leidet zunehmend unter einem Technologie- und Datendefizit: Unternehmen wachsen langsamer, investieren weniger in digitale Technologien und verlieren in zentralen Zukunftsfeldern wie Dateninfrastruktur, Künstlicher Intelligenz und Cloud-Systemen an Boden. Der dadurch entstehende Wertverlust wird auf 2 – 4 Billionen Euro jährlich geschätzt – ein erheblicher Teil davon beruht auf ungenutztem Datenpotenzial und mangelnder Interoperabilität.
Der Übergang von isolierten Datensilos hin zu offenen, souveränen Datenökosystemen ist daher weit mehr als ein technisches Modernisierungsprojekt. Er ist eine strategische Voraussetzung, um Europas industrielle Stärke, Innovationskraft und digitale Souveränität dauerhaft zu sichern. Company Data wird so zur zentralen Ressource für die Zukunftsfähigkeit der europäischen Wirtschaft – und die Verwaltungsschale zum Fundament ihrer Nutzung.
Aktuelle Lage und zukünftige Entwicklungen
Die Nutzung von Company Data befindet sich derzeit an einem Wendepunkt. Viele Unternehmen haben erkannt, dass Daten ein strategischer Vermögenswert sind – doch die Realität zeigt ein anderes Bild: Studien zufolge bleiben bis zu 80 % der industriellen Daten in Europa ungenutzt. Gründe dafür sind fragmentierte IT-Landschaften, proprietäre Schnittstellen, fehlende Datenstandards und die Sorge um Datensouveränität. So entstehen Datensilos, die Innovation bremsen und Kooperation erschweren.
Gleichzeitig wächst der Druck: Lieferketten werden komplexer, Nachhaltigkeitsanforderungen verschärfen sich, und die Geschwindigkeit technologischer Entwicklungen nimmt rasant zu. Unternehmen müssen ihre Daten nicht nur verwalten, sondern verstehen, vernetzen und vertrauensvoll teilen können – sowohl intern als auch mit Partnern in Wertschöpfungsnetzwerken.
Hier zeigt sich ein klarer Trend: Die Zukunft der Industrie wird von offenen, souveränen und interoperablen Datenökosystemen geprägt sein. Initiativen wie Manufacturing-X, Catena-X oder Gaia-X verdeutlichen, dass der Wandel bereits begonnen hat – weg von isolierten Unternehmenslösungen hin zu kollaborativen Strukturen, in denen Daten zum Treiber neuer Geschäftsmodelle werden.
Die Verwaltungsschale (AAS) bildet dabei das verbindende technische Fundament. Sie ermöglicht es, Daten über den gesamten Lebenszyklus eines Assets hinweg standardisiert zu erfassen, zu teilen und auszuwerten. So entsteht die Basis für digitale Zwillinge, KI-gestützte Services, Nachhaltigkeitsnachweise und effiziente Produktionsnetzwerke.
In den kommenden Jahren wird entscheidend sein, diese Ansätze breit in der Industrie zu verankern – durch gemeinsame Standards, offene Schnittstellen und ein neues Verständnis von Daten als gemeinschaftliche Ressource. Wer frühzeitig in Struktur, Qualität und Governance seiner Unternehmensdaten investiert, wird von höherer Agilität, Innovationsfähigkeit und Wettbewerbsstärke profitieren.
Der Weg ist klar: Vom Datenpotenzial zur vernetzten industriellen Wertschöpfung. Die Zukunft der europäischen Industrie liegt nicht nur in ihren Produkten – sondern in der intelligenten Nutzung ihrer Daten.
Innovative Technologien und ihre konkreten Effekte
Die wahre Wirkung von Company Data entfaltet sich erst durch innovative Technologien, die Daten intelligent nutzbar machen. Sie verwandeln reine Informationsbestände in konkrete Wettbewerbsvorteile, neue Geschäftsmodelle und effizientere Prozesse. Drei technologische Entwicklungen stehen dabei im Mittelpunkt: Künstliche Intelligenz (KI), digitale Zwillinge und souveräne Dateninfrastrukturen.
Künstliche Intelligenz übersetzt Daten in Erkenntnisse und Handlungsempfehlungen. Im industriellen Umfeld entstehen daraus Anwendungen wie Predictive Maintenance, automatisierte Qualitätskontrolle oder adaptive Produktionsplanung. Voraussetzung dafür sind strukturierte und semantisch beschriebene Unternehmensdaten – genau hier schafft die Verwaltungsschale (AAS) den Rahmen. Sie ermöglicht, dass KI-Modelle auf qualitativ hochwertige, interoperable Daten zugreifen können – unabhängig von System, Hersteller oder Standort.
Effekt: Unternehmen verkürzen Stillstandzeiten, reduzieren Ausschuss und treffen fundiertere Entscheidungen – auf Basis konsistenter, vertrauenswürdiger Daten.
Der digitale Zwilling ist ein virtuelles Abbild eines physischen Assets, Produkts oder Prozesses. Er bündelt alle relevanten Informationen über Konstruktion, Nutzung, Wartung und Recycling – und basiert strukturell auf der Verwaltungsschale. Dadurch entsteht eine durchgängige Datentransparenz entlang des gesamten Lebenszyklus.
Effekt:
Digitale Zwillinge werden damit zum Bindeglied zwischen Unternehmen, Behörden und Endkunden – und tragen zu einem offenen, vertrauenswürdigen Datenökosystem bei.
Mit Gaia-X, Catena-X und Manufacturing-X entstehen in Europa derzeit Infrastrukturen, die den sicheren und kontrollierten Austausch von Unternehmensdaten ermöglichen. Sie setzen auf Prinzipien wie Datenhoheit, Transparenz und Interoperabilität – und bilden den organisatorischen Rahmen, in dem technische Standards wie die Verwaltungsschale wirken können.
Effekt: Unternehmen können Daten souverän teilen, ohne die Kontrolle zu verlieren. Das schafft Vertrauen zwischen Partnern, stärkt die europäische Industrie und fördert Innovation durch Zusammenarbeit.
Innovative Technologien sind keine isolierten Tools, sondern Verstärker des Datenwerts. Erst durch KI, digitale Zwillinge und souveräne Dateninfrastrukturen wird aus Company Data ein strategischer Rohstoff, der Produktivität, Nachhaltigkeit und Innovationsfähigkeit gleichermaßen steigert. In diesem Zusammenspiel liegt der Schlüssel zur Wettbewerbsfähigkeit einer vernetzten, datengetriebenen Industrie in Europa.
Vom Vorteil zum Wettbewerbsvorsprung
Der strategische Wert von Company Data ist erkannt – doch zwischen Erkenntnis und Wirkung liegt die eigentliche Herausforderung: die Umsetzung. Viele Unternehmen wissen um das Potenzial ihrer Daten, stehen aber vor denselben Hürden: technische Komplexität, fehlende Standards, begrenzte Ressourcen und Unsicherheit bei Investitionen.
Die Erfahrung zeigt: Transformation gelingt nicht im Alleingang. Gerade im industriellen Umfeld sind Kooperation und gemeinsames Lernen entscheidend, um aus theoretischem Wissen echte Wirkung zu entfalten.
Datenökosysteme entstehen dort, wo Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Technologiepartner gemeinsam handeln. Solche Umsetzungsgemeinschaften – ob in regionalen Netzwerken, branchenübergreifenden Allianzen oder themenspezifischen Initiativen – bilden den Nährboden, auf dem neue Standards und Anwendungen entstehen können.
Sie bieten Raum für:
So wird aus abstrakten Konzepten greifbare Umsetzungskraft – und aus Datennutzung ein konkreter Produktivitäts- und Innovationsgewinn.
In einer zunehmend vernetzten Wirtschaft ist Zusammenarbeit selbst zum Wettbewerbsvorteil geworden. Wer Daten teilt, Standards mitgestaltet und Innovation gemeinsam vorantreibt, beschleunigt nicht nur die eigene Entwicklung, sondern stärkt zugleich das gesamte industrielle Ökosystem.
Die Unternehmen der Zukunft werden jene sein, die Daten nicht nur besitzen, sondern sie gemeinsam nutzbar machen – souverän, sicher und zielgerichtet. So entsteht aus einem individuellen Vorteil ein struktureller Vorsprung: in Geschwindigkeit, Innovationsfähigkeit und Nachhaltigkeit.
Der Weg zu souveränen Datenökosystemen ist ein Lernprozess – technisch, organisatorisch und kulturell. Umsetzungsgemeinschaften verkürzen diesen Weg, indem sie Wissen bündeln, Schnittstellen schaffen und Erfolge sichtbar machen. Sie verwandeln den abstrakten Begriff der „Datenökonomie“ in greifbare Realität – vom Piloten zur Praxis, vom Vorteil zum Vorsprung.
Von der Umsetzung zum Erfolg
Die Entwicklung hin zu einer datengetriebenen Industrie ist längst keine Zukunftsvision mehr – sie findet statt. In den vergangenen Jahren sind zahlreiche Initiativen, Standards und Pilotprojekte entstanden, die zeigen, wie Company Data in der Praxis Mehrwert stiftet. Ob durch effizientere Produktionsprozesse, transparente Lieferketten oder neue datenbasierte Geschäftsmodelle – überall dort, wo Unternehmen beginnen, Daten strukturiert zu nutzen und zu teilen, entstehen messbare Fortschritte.
Die Verwaltungsschale (Asset Administration Shell, AAS) hat sich in kurzer Zeit von einem Forschungsansatz zu einem tragfähigen Industriestandard entwickelt.
Ergebnis: Hersteller können Daten ihrer Maschinen und Komponenten digital und standardisiert bereitstellen; Betreiber und Dienstleister greifen auf einheitliche Datenschnittstellen zu. Das reduziert Integrationsaufwand, verbessert Transparenz und ermöglicht neue datenbasierte Services.
Parallel zu den technologischen Fortschritten entstehen in Europa koordinierte Dateninitiativen, die den praktischen Austausch von Unternehmensdaten fördern:
Ergebnis: Es entsteht ein wachsendes Netzwerk von Unternehmen, das Daten sicher und standardisiert teilt – ein entscheidender Schritt, um aus Einzelinitiativen eine skalierbare europäische Datenökonomie zu formen.
Neben großen Initiativen tragen auch spezialisierte Technologieunternehmen entscheidend zur Umsetzung bei. Firmen wie Bosch Rexroth, conplement, cofininity-x oder neoception entwickeln praxisnahe Lösungen, mit denen sich Verwaltungsschalen einfach integrieren, skalieren und produktiv nutzen lassen. Ihre Werkzeuge, Plattformen und industriellen Anwendungen helfen Unternehmen, digitale Zwillinge aufzubauen, Submodelle zu managen und Daten sicher über Systemgrenzen hinweg auszutauschen.
Ergebnis:
Diese Beispiele zeigen, dass der Schritt von der Theorie zur marktfähigen Lösung längst Realität ist. Europäische Technologieunternehmen beweisen, dass Innovation, Interoperabilität und Datensouveränität gemeinsam in der industriellen Praxis funktionieren – und damit den Weg in eine vernetzte, datenbasierte Wertschöpfung ebnen.
In zahlreichen Projekten – von Maschinenbau über Chemie bis Energie – wurde das Potenzial von Company Data bereits praktisch bewiesen:
Ergebnis: Diese Anwendungsfälle belegen, dass Datenstandardisierung kein Selbstzweck ist, sondern ökonomische, ökologische und strategische Vorteile schafft – vom Mittelstand bis zum Großunternehmen.
Neben der Technik verändert sich auch die Datenkultur in Unternehmen. Immer mehr Organisationen begreifen Daten als gemeinsame Ressource, nicht als proprietäres Gut. Kooperation, Offenheit und Standardisierung werden zu neuen Prinzipien der industriellen Zusammenarbeit.
Ergebnis: Es entsteht ein ökosystemisches Denken, das über Branchen und Unternehmensgrenzen hinausreicht – die eigentliche Grundlage für die digitale Souveränität Europas.
Von der Praxis in die Breite
Die bisherigen Pilotprojekte und industriellen Erfolge zeigen: Company Data und Verwaltungsschale funktionieren in der Praxis. Was nun zählt, ist die Verankerung in der Breite – also der Schritt von einzelnen Leuchttürmen hin zu flächendeckender Anwendung in Unternehmen aller Größen.
Dafür braucht es zweierlei:
Zahlreiche Akteure – von Industrieverbänden über Forschungsinstitute bis zu Technologiepartnern – arbeiten daran, die Verwaltungsschale und interoperable Datenmodelle zugänglich und anwendbar zu machen. Workshops, Trainings, Demofabriken und offene Plattformen schaffen Möglichkeiten, den Umgang mit Datenökosystemen praktisch zu erlernen. So wird der Weg vom ersten Proof of Concept bis zum produktiven Einsatz schrittweise erleichtert.
Ein empfehlenswerter Einstieg in die Praxis ist dieses Video der Industrial Digital Twin Association (IDTA), das den Prozess rund um die Verwaltungsschale anschaulich erklärt: 🎥 Einführung in die Asset Administration Shell – Grundlagen und internationale Entwicklungen (YouTube)
Alternativ bietet Bosch Rexroth mit diesem kurzen Erklärvideo eine praxisnahe Perspektive: 🎥 Bosch Rexroth: AdminShell – Explanatory Video – Part 1
Beide Videos zeigen eindrücklich, wie sich aus einer abstrakten Idee – der Verwaltungsschale als digitalem Abbild – konkrete industrielle Anwendungen entwickeln.
Damit aus Einzelinitiativen eine europaweite Bewegung wird, müssen Unternehmen, Standardisierungsgremien und Politik gezielt an der Skalierung arbeiten. Offene Schnittstellen, leicht zugängliche Werkzeuge und gemeinsame Lernprozesse sind die Hebel, um den Wandel in die Fläche zu tragen.
So wird aus Pilotprojekten eine nachhaltige Transformation – und aus Company Data die Grundlage einer starken, souveränen und wettbewerbsfähigen europäischen Industrie.
Next Step, Next Level Mittelstand
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